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Kategorie: Presse
Artikel aus der Stuttgarter-Zeitung Lokalausgabe-West vom 28.05.2010
Engagierte Eltern werden zu Stadtpiraten
Johannesstraße. Weil die Suche nach einem Krippenplatz erfolglos war, haben drei Familien kurzerhand eine eigene Eltern-Kind-Initiative gegründet. Die Kita Stadtpiraten für 40 Kinder zwischen null und sechs Jahren soll im September eröffnen. Von Kathrin Thimme
Dann gründen wir eben eine eigene Initiative" - dieser Gedanke ist das Ergebnis einer erfolglosen Suche zweier Mütter nach zwei Krippenplätzen für ihren Nachwuchs gewesen. Aus dem Gedanken wurde in rasanter Geschwindigkeit die Eltern-Kind-Initiative "Die Stadtpiraten". Das war im Februar 2009. "Es musste schnell gehen", sagt Annegret Breitenbücher, zweite Vorsitzende der Initiative. Denn die Beratungen für den Doppelhaushalt standen an und damit die Gelegenheit, eine städtische Förderung zu erhalten.
Also entwickelten Annegret Breitenbücher und Edith Schewe, die Vorsitzende der Stadtpiraten, in zehn Tagen ein Konzept und gründeten einen Verein. Dafür nahmen sie ihre Männer mit ins Boot sowie ein drittes Paar und einen Opa. "Um einen Verein zu gründen braucht man eben sieben Personen", sagt Schewe.
Nur einen Monat später hatten sie die passenden Räume an der Johannesstraße gefunden für ihre Kita, die aus zwei Zehnergruppen für Null- bis Dreijährige und einer Gruppe für 20 drei- bis sechsjährige Kinder besteht. Jetzt, ein Jahr später, sind die über zwei Stockwerke verteilten knapp 380 Quadratmeter eine einzige Baustelle. "Der Februar und März waren eine heiße Phase", sagt Breitenbücher. Die Wände haben die Mitglieder der Initiative selbst eingerissen und in allen Räumen die Tapete von der Wand gekratzt.
Der handwerkliche Einsatz der mittlerweile 47 Mitglieder ist Teil der Vereinbarung. "Jede Familie muss 100 Arbeitsstunden leisten", sagt Breitenbücher. Anders würde sich das Vorhaben, trotz des städtischen Zuschusses für den Umbau, nicht finanzieren lassen. Die Stadt bezahlt 75 Prozent der notwendigen 300 000 Euro. "Wir werden die Wände noch streichen, Gardinen nähen und einen Teil der Möbel selbst bauen", sagt Schewe.
Doch für den Moment ist Stillstand auf der Baustelle an der Johannesstraße. "Wir warten auf die Baugenehmigung", sagt Schewe. Vor dem 12. Juli soll damit nicht zu rechnen sein. Für die Mütter ist das ein ärgerlicher Wartezustand, denn erst wenn die Baurechtsbehörde ihre Zustimmung gibt, fließt das Geld von der Stadt.
Sollte sich der Baubeginn verzögern, könnte dies die Initiative in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. "Wir brauchen einen Eröffnungstermin, um die Personalverträge abschließen zu können", sagt Schewe. Zum einen, damit die Erzieherinnen guten Gewissens bei ihrem alten Arbeitgeber kündigen können, und zum anderen aus Eigenschutz. "Erst wenn die Kita eröffnet hat", erzählt Edith Schewe, "bezahlt die Stadt auch die Betriebskosten."
Zeit, sich allzu große Sorgen zu machen oder gar die Hände in den Schoß zu legen, haben die beiden berufstätigen Mütter aber nicht. Der Innenausbau muss geplant werden, die Ausschreibung für die Handwerker steht an, eine zweite Kinderpflegerin muss noch gefunden werden, ebenso suchen sie noch ein paar Kinder ab vier Jahren. "Man kommt vom Hundertsten ins Tausendste", sagt Schewe. "Wie groß muss beispielsweise ein Topf sein, in dem täglich das Essen für 40 Kinder und zehn Erwachsene gekocht wird, und wie groß muss dann entsprechend der Herd sein?"
Annegret Breitenbücher und Edith Schewe haben die letzten Jahre viel dazugelernt. Ob sie noch einmal so spontan eine Eltern-Kind-Initiative gründen würden? "Ich bin mir nicht sicher", sagt Schewe und Breitenbücher fügt hinzu: "Wir sind schon etwas naiv an die Sache herangegangen, was im Nachhinein vielleicht sogar gut ist." Und die Vorteile ihres Vorhabens liegen klar auf der Hand: "Wir können von Anfang an die Kita so gestalten, wie wir es für richtig halten, und haben bei allen Entscheidungen Mitspracherecht."