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Artikel aus der Stuttgarter-Zeitung Lokalausgabe-West vom 08.10.2010

Das Schiff der Stadtpiraten-Kita ist startklar

Johannesstraße Die Elterninitiative bietet Betreuung für 40 Kinder und hat neuneinhalb Stunden täglich geöffnet. Von Sybille Neth


Die Zahl der Schnurrbartträger an diesem Samstag war beachtlich: Die kleinen Stadtpiraten hatten sich zur Einweihung ihrer neuen Kita in der Johannesstraße stilecht gekleidet und geschminkt. Nach rund 20 Monaten Planungs- und Umbauzeit kann die Elterninitiative jetzt auf 380 Quadratmetern, verteilt auf zwei Etagen mit der Ganztagesbetreuung von 40 Kindern im Alter von Null bis sechs Jahren, starten. Dafür wurden neun Erzieherinnen eingestellt. Über 4000 Arbeitsstunden leisteten die Eltern bei der Renovierung: vom Entfernen nicht tragender Wände bis zum Bau von Garderobenkästchen haben sie mit angepackt.

In der ersten Etage des Büro- und Wohnhauses sind die Gruppenräume für die Jüngsten bis drei Jahren. Eine Etage darüber toben die Drei- bis Sechsjährigen, und mit ihnen soll die Kita auch ins Schulalter kommen. Die Stadtpiraten haben die Option auf Räume in der Nähe, und "dort wollen wir einen Schülerhort eröffnen", kündigt Vorstandmitglied Edith Schewe an.

Zuerst aber wird jetzt noch der Innenhof umgestaltet, und eine neue Küche will der Verein noch erwerben. Denn schließlich soll hier das Mittagessen für die Kinder gekocht werden, die von 7.45 Uhr bis 17.15 Uhr betreut werden. "Bei den Öffnungszeiten haben wir uns an den unterschiedlichen Arbeitszeiten von Müttern und Vätern orientiert", sagt Vorstandsmitglied Annegret Breitenbücher. Sie ist überzeugt davon, dass innerhalb dieser Zeit alle Eltern ein geeignetes Zeitfenster finden.

Die zehn Betreuungsplätze für die ganz Kleinen waren sofort vergeben, schon jetzt gibt es eine Warteliste. In der klassischen Kindergartengruppe gibt es noch freie Plätzen für die Fünfjährigen. Bei der Einweihung war das Körbchen mit den Anmeldeformularen sofort leer.

Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle freute sich, dass in der vergangenen Woche mit den Stadtpiraten, der Kita "Lummerland" und der Erweiterung der Kita St. Stephan im Westen drei Betreuungseinrichtungen neu eröffnet haben. "Wir sind ein sehr junger Stadtbezirk, und es fehlen immer noch über 700 Plätze für Kleinkinder." Der Grund dafür sei die Veränderung in der Bevölkerungsstruktur: "Früher lebten hier junge Leute während ihrer Ausbildung. Wenn sie eine Familie gegründet haben, zogen sie von hier weg." Dies sei ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Anstrengungen ausgezahlt haben, die Wohnqualität im Westen durch eine gute Infrastruktur zu verbessern: "Die jungen Familien bleiben jetzt hier, weil das Umfeld für sie eine hohe Lebensqualität hat."

Ein besonderer Glücksfall sei es, dass die Stadtpiraten in einem bestehen Gebäude Räume fanden, denn mangels Brachflächen sei es im Stadtteil schwierig, Neubauten für die Kinderbetreuung zu schaffen, betonte Möhrle. "Und Kitas mit Elternbeteiligung merkt man immer an, dass sie etwas ganz Besonderes sind."