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Artikel aus der Stuttgarter-Zeitung Lokalausgabe-West vom 27.08.2010

Die eigene Küche bleibt vorerst ein Wunsch

Johannesstraße Die Eröffnung der Privat-Kita für Kinder bis sechs Jahre verzögert sich um einige Wochen. Von Kathrin Thimme

 

Wenn Edith Schewe und Annegret Breitenbücher irgendwann wieder Zeit übrig haben, schreiben sie vielleicht einen Leitfaden mit dem Titel "Wie gründe ich eine private Kita". "So etwas hätten wir auch gut gebrauchen können", sagt Edith Schewe. Fragen hatten sie in den vergangenen Monaten genug, seit sie den Beschluss fassten, eine Kita zu eröffnen und einen Verein gründeten, der mittlerweile knapp 60 Mitglieder hat. Nach x-fachen Behördengängen und Telefonaten mit dem Baurechts- und dem Jugendamt stehen die beiden Gründerinnen zwar kurz vor dem Ziel, zunächst jedoch vor einer weiteren Hürde.

Am dem 1. September soll die Kita "Die Stadtpiraten" für insgesamt 40 Kinder an der Johannesstraße eröffnen. Einzuhalten wird dieser Termin voraussichtlich nicht sein, denn die Brandschutztüren können nicht pünktlich geliefert werden. Und ohne diese gibt es keine Bauabnahme. "Dass es daran scheitert, ist ärgerlich", sagt Schewe.

Die Betreuung für die Kinder soll ab September dennoch gewährleistet sein. "Wir sind ja schon in der Eingewöhnungsphase", sagt Schewe. Die künftige Leiterin und ihre Stellvertreterin lernen die Kinder bereits bei gemeinsamen Besuchen auf dem Spielplatz kennen. "Viele Eltern sind berufstätig und darauf angewiesen, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind", sagt Schewe, die selbst gerade mit ihrem zweiten Kind schwanger ist, ebenso wie ihre Mitgründerin Annegret Breitenbücher.

Doch nach eineinhalb Jahren haben die beiden Initiativgründerinnen gelernt, die Nerven zu bewahren und flexibel zu sein. In den künftigen Kita-Räumen werden derzeit die Wände gestrichen, und es sind diese kleinen Fortschritte, die sie motivieren. Und das, obwohl es seit der Initiativgründung vor eineinhalb Jahren einige Momente gab, in denen sie dachten, dass das Projekt Kita-Gründung scheitert.

Vor das größte Problem stellten die beiden Frauen die Finanzen. "Der Zuschuss der Stadt orientiert sich nicht am jeweiligen Bedarf", sagt Schewe. 300.000 Euro bekamen sie für ihre private Trägerschaft. Die 140.000 Euro, die sie aus dem Fördertopf des Bundes, der den Kitaausbau bis 2013 unterstützt, bekamen, verrechnete die Stadt in diesem Betrag. Von der Gesamtsumme entfielen zudem 40.000 Euro, die die Vereinsmitglieder in Eigenleistung erbringen mussten. 260.000 Euro hatte die Initiative damit zur Verfügung. "Am Anfang denkt man, dass ist viel Geld", sagt Schewe, "doch es ist ein Unterschied, ob man in Räume zieht, in denen vorher schon eine Kita war, oder so wie wir in ehemalige Büroräume."

Heinrich Korn, der stellvertretende Leiter des Jugendamtes, hingegen verweist darauf, dass bei der Kitagründung in freier oder privater Trägerschaft kein Pauschalbetrag vergeben werde. "So etwas wäre ungerecht", sagt er. Der Investitionszuschuss richte sich nach den Standards der Betriebserlaubnis, welche das Landesjugendamt vorgebe, und sei auf jede Kita individuell zugeschnitten. Im Fall der Stadtpiraten verschlangen jedoch der Umbau, der neue Zugang im Treppenhaus und die Brandschutztüren fast das ganze Geld. "Für die komplette Inneneinrichtung und Spielsachen haben wir nur noch 30.000 Euro übrig", sagt Schewe. Das einzig Erfreuliche an der Not sei die Kreativität gewesen, die sich daraus entwickelte. "Wir haben viel selbst entworfen, wodurch unsere Kita individueller wirkt", sagt Schewe.

Individuell sollte auch das Ernährungskonzept der Kita sein. Doch darauf müssen die Eltern erst einmal verzichten. "Für den Anfang können wir uns keine Küche leisten", sagt Annegret Breitenbücher. "Dabei ist das selbstständige Kochen mit Bioprodukten ein Grund gewesen, überhaupt eine eigene Kita zu gründen." Für den Anfang wird das Essen deshalb gecatert. Damit sich das bald ändert, hat Edith Schewe bereits Stiftungen ausfindig gemacht, die finanziell helfen könnten.

"Generell haben wir von allen Seiten viel Unterstützung erfahren", sagt Schewe, "und das ist sehr schön." Dennoch waren die vergangenen 18 Monate turbulent, und die beiden Frauen können die Eröffnung nicht mehr abwarten. "Wir haben beide Jobs, ein Kind und sind schwanger", sagt Breitenbücher. "Wir wollen jetzt endlich fertig werden."

Weitere Informationen unter

www.stadtpiraten-stuttgart.de